Corona-Situation in Tansania

16.04.2020:
Mail des Krankenhausverwalters des Nkoaranga-Krankenhauses: Derzeit in Gesamttansania 94 Erkrankte, 4 Tote.
Wie viele Erkrankte es wirklich sind, weiß keiner, da Testungen nur in Daressalam durchgeführt werden.
Im Nkoaranga-Krankenhaus gibt es derzeit keine Erkrankten. Es wurden strenge Besucher- und Hygienemassnahmen eingeführt.
Nach Angaben eines deutschen Hoteliers ist die Situation wegen der Armut vieler Menschen, gerade in ländlichen Gegenden sehr ernst. Da für jede medizinische Behandlung sofort bezahlt werden muss, gehen viele Erkrankte nicht oder zu spät in die Krankenhäuser. Es sterben viele zu Hause.


Briefauszug einer deutschen Ärztin, die im Süden Tansanias arbeitet: „ …Nach Bekanntwerden des ersten Falles am 16.03.2020 wurden alle Schulen, Universitäten, Kindertagesstätten etc. geschlossen. Inzwischen sind auch die Grenzen geschlossen. Größere Veranstaltungen wurden untersagt (zumindest theoretisch - das muntere Treiben auf den Märkten hält an), häufiges Händewaschen mit Seife empfohlen. … Mitarbeitern von nun geschlossenen Einrichtungen wurde das Gehalt gekürzt oder gestrichen. Die dadurch folgende Armut wird wahrscheinlich deutlich gravierendere und länger anhaltende Folgen haben als die Pandemie selbst. ...“


Besonders dramatisch ist die Situation der Kinder, die nun nicht mehr in den Schulen und Internaten sind, wo sie mit Essen versorgt wurden und nun zu Hause in den Dörfern oft hungern müssen. Gerade für Mädchen besteht die Gefahr, dass sie zwangsverheiratet und/oder beschnitten werden.
Auch Ordensschwestern in Kenia haben auf diese Entwicklungen hingewiesen und einen dramatischen Appell gestartet, der aber bei uns kaum beachtet wurde.


Die Situation im Reha-Center Usa River, wo wir während der Einsätze untergebracht sind, ist ebenfalls sehr schwierig. Die 120 Schüler sind zu Hause, das Gästehaus ist geschlossen. Das Café und der Shop sind leer, auch die Produktion der Bäckerei ist massiv zurückgegangen. Es mussten und müssen noch Mitarbeiter entlassen werden. Deshalb hat mich Anfang der Woche der Direktor der Einrichtung Herr Pastor Kaaya angerufen und dringend um Unterstützung und z. B. auch Übernahme der Löhne weiterer Mitarbeiter (bisher werden schon die Löhne von 5 Mitarbeitern bezahlt) gebeten.
Da es sich in Tansania kaum jemand leisten kann für Wochen zu Hause zu bleiben, und die in Deutschland etablierten sozialen Netze, wie Kurzarbeit, Lohnfortzahlung, Arbeitslosen- und Krankenversicherung nicht existent ist, werden viele arme Menschen zwischen der Entscheidung stehen, sich zu infizieren oder zu verhungern.


Regeln wie bei uns sind in Tansania nicht einzuhalten. Dennoch muss umfangreich informiert werden. In dieses Maßnahmenpaket gehört neben Information und Schulung über das korrekte Händewaschen, wenn irgendwie möglich das Einhalten des Abstandes und auch die Herstellung behelfsmäßiger Mund-Nasen-Schutzmasken in der Schneiderei des URRC.


Trotz aller großen Probleme und persönlicher Betroffenheit bei uns, dürfen wir die Menschen in Afrika / Tansania nicht vergessen. Die Aufgaben des Projektes Feuerkinder haben sich aktuell erweitert und wir wollen im Rahmen unserer Möglichkeiten unterstützend tätig werden, da es für viele Menschen, auch ehemalige Patienten um Leben und Tod geht.
Und deshalb bitten wir um weitere Unterstützung:

Projekt Aktion Feuerkinder
EB Kassel BIC: GENODEF1EK1
IBAN: DE53 5206 0410 0103 5099 82